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Was hat es eigentlich mit diesem ganzen Fachchinesisch rund um die Bowlingbälle auf sich.
Na ja, da sehr viele mit Diff. - RG. - P.A.P usw. nichts anfangen können, hier einige Erklärungen. Ich hoffe, es ist einigermaßen verständlich.

Teil 1

Axis Rotation (Rotationsachse):
Eine gedachte Linie durch den Ball, um die sich der Ball beim Loslassen dreht. Der Austrittspunkt dieser Achse nennt sich Positiv Axis Point. „P.A.P“.

Axis Tilt:
Tilt bezeichnet einen Winkel zwischen 0 und 90 Grad, den die Drehachse nach der Ballabgabe zur Bahn bildet. Dabei ist 90 Grad parallel zur Rinne (Hand seitlich am Ball) und 0 Grad parallel zur Foullinie (Hand hinter dem Ball). Je geringer der Winkel ist, umso früher kommt der Ball ins Rollen. Der Ball dreht schon in die selbe Richtung in der er auch läuft. Er wird nur sehr wenig Haken laufen, hat aber viel Vorwärts Roll. Je mehr Tilt man der Kugel verleiht, desto mehr wird der Ball erst einmal die Bahn entlang rutschen (skid) und dann in die Richtung einschwenken, in die er dreht. Der Haken wird wesentlich stärker werden.

Balance Hole oder X-Hole (Ausgleichsloch) und Satic Weight.
Ein zusätzliches Loch in der Kugel. In erster Linie wird es gebraucht um den Ball wieder ins Gewichtslimit zu bekommen. Ein Ball hat fast immer unterschiedliche Gewichte zwischen der linken und rechten Seite, zwischen der Finger- und der Daumenhälfte und zwischen der Kopf- und der Bodenseite (die sogenannten Static Weights)
Ausgewogen werden die Bälle mit einer speziellen Ballwaage. Die Gewichtsdifferenzen dürfen bestimmte Limits nicht überschreiten. Bei Bällen über 12 Pfund gelten für die Finger- und Daumengewichte sowie für das Seitengewicht max. 1 ounce (28,4 Gramm) und für Kopf- oder Bodengewicht max. 3 ouncen. Es gibt dann bestimmte Stellen an der Kugel, wo man diese Löcher bohrt. Man bohrt d diese Löcher in einem bestimmten Winkel zur Achse, sowie in einer bestimmten Größe und Tiefe. Mit der Position des auch X-Loch genannten Balance Hole kann man den Lauf der Kugel beeinflussen. Bohrt man es direkt in den P.A.P, wird der Lauf des Balles gleich bleiben, bohrt man es 2 Inch unter dem P.A.P, oder in den Daumen positiven Quadranten, wird sich der Hakenlauf etwas verstärken und die Länge verändern. Das Balance Hole darf max. 1-1/4 Inch Durchmesser haben.

Balance Scale (Ballwaage):
Eine spezielle Waage zum Auswiegen der unterschiedlichen Satic Weights eines Balles. Wird benötigt um festzustellen oder zu überprüfen ob ein Ball noch regelkonform ist. So eine Waage ist nicht ganz billig und kostet in den USA neu zwischen 1500 – 2000 Dollar.

Ballwaage1  Ballwaage 2
Bilder einer Ballwaage

Ball Löcher
Die Anzahl der Löcher in einem Ball ist reglementiert, insgesamt 12 Stück. Es dürfen max. 5 Löcher für den Griff gebohrt werden, ein Loch für den Gewichtsausgleich (maximal 1-1/4 Inch groß), 5 kleine Belüftungslöcher für den Griff, und ein kleines flaches Ballcheck Loch. Die große Mehrheit der Bowlingspieler hat 3 Löcher für den Griff, und bei Bedarf noch ein Ausgleichsloch.

Ball Spinner (Ball-Schleifmaschine)
Eine Maschine, in die der Ball gelegt wird, um die Oberfläche des Balles zu überarbeiten. Der Ball wird mit ca. 300 U/min gedreht und mit verschiedenen Schleif- oder Poliermitteln bearbeitet.

Ball Spinner 1  Ball Spinner 2
Ein Ball Spinner Marke Eigenbau mit Poliermitteln

Break Point (Breakpunkt):
Dies ist der Punkt , an dem der Ball deutlich seine Richtung verändert. In der Regel da, wo er aus dem Öl heraus auf die „trockenen“ (deutlich weniger Öl) Bereiche der Bahn läuft. Die Kunst liegt darin, diesen Breakpoint zu finden, um ihn für sich zu nutzen. Nur ist dieser Punkt erstens vom Ölbild abhängig, zweitens für jeden Spieler ein bisschen anders, da jeder seine eigenen Linie spielt, und drittens von der Spieldauer, da man das Öl von den Heads mit jedem Wurf weiter nach hinten ins Backend schiebt, und man sich unter anderem auch diesen Breakpoint langsam aber sicher zukleistert. Man spricht vom Carry Down.

Carry Down:
Ist die Erscheinung, wenn die Bälle auf einmal später und auch weniger reagieren. Hier wurde durch die Bälle eine gewisse Menge Öl von den Heads in den Backendbereich getragen, wodurch die Bälle nicht mehr so stark einschwenken, da die Reibung nicht mehr so hoch ist. Tritt vor allem auf Kunststoffbahnen vermehrt auf, da sich das Öl leichter mit der rauen Balloberfläche verbindet, aber nicht so stark mit dem glatten Bahnbelag. Entweder man passt seine Spielweise den veränderten Bedingungen an, so man es kann, oder man wechselt zu Bällen mit anderen Oberflächen, Kernen, Bohrlayouts usw. Der Effekt des Carry Down, und ihn in den Griff zu bekommen ist mit eine der größten Herausforderungen beim Bowlingspielen.

"CG" Center of Gravity (Schwerpunkt):
Das CG bildet den Punkt der Kugel, der nach allen Seiten (nicht aber zwischen Kopf und Boden - siehe Topweight) ausbalanciert ist. Zumeist durch eine Körnung des Herstellers gekennzeichnet und für das Bohren enorm wichtig. Der Punkt sagt auch wo beim Ball oben und unten ist.

Core Torque :(Kerndrehmoment):
Es stellt die Fähigkeit des Balles dar, seine Rotationsachse zu verändern und wird durch die Massenverteilung des Kerns bestimmt. Bälle mit sehr hohem Core Torque zeigen in der Regel eine stärkere Ballreaktion. Bälle mit niedrigerem Core Torque laufen kontrollierbarer.

Coverstock (Schale):
Es ist so zu sagen die Außenhaut des Balles und für die Reaktion des Balles auf der Bahn am meisten verantwortlich.
Hier eine kurze Auflistung der Coverstocks. Von der geringsten Reibung zur stärksten Reibung.

-Polyester ( Unterschiede nur durch Oberflächenhärte in Shore D gemessen)

-Urethan ( Komponenten ISO + RESIN. Matte Oberfläche mehr Reibung, polierte weniger)

-Reactive ( Komponenten ISO + RESIN + Plastizisers. Unterschiede durch die Wertigkeit des Reactive Materials. Reibung wird durch Plastizisers in der Urethanmischung erhöht)

-Particle ( Komponenten ISO + RESIN + Plastizisers + Particle = Reactive mit geriebenem Glass, Keramik o. ähnlichem; Je mehr Particle umso mehr Reibung, zusätzlich gibt es hohle und geschlossene Particle)

-Epoxy "Catalyst" (Komponenten Epoxy + Plastizisers - Keine Particle mehr in der Schale ( auch kein Reactive) dadurch geringere Abnutzung, Reibung wird durch "Friction enhancers" hervorgerufen. Die Oberfläche nimmt zwar Öl auf, verliert aber nicht an Reaktion)

Wie schon oben beschrieben hat zwar die Schale die stärkste Auswirkung auf die Ballreaktion, das ist  aber nur die halbe Wahrheit: Ohne den Kern wird auch die schärfste Schale nicht die gewünschte Reaktion bringen. Der stärkste Kern im Polyesterball bringt`s aber auch nicht. Auf die richtige Mischung kommt es an.

Differential:
Differential ist der Unterschied zwischen 2 Messungen bezüglich des Radius of Gyration (RG).
RG ist die Entfernung, in Inch gemessen, von der Ballmitte zu dem Punkt an dem die Masse im Ball konzentriert ist. Lt. USBC darf dieser Punkt zwischen 2,430 Inch und 2,800 Inch liegen.
Diese Messung wird über die X Achse des Balls durchgeführt, bei der zweiten Messung über die Y Achse ( Ball wird um 90° gedreht ) kommt meist eine andere Distanz heraus, da der Kern nicht symmetrisch ist. Der Unterschied zwischen der X Messung und der Y Messung darf nicht mehr als 0,080 In betragen.
Seit 1.2.2005 sind es nur noch max. 0,060 Inch. Dies ist das Differential.
Das Differential ist zuständig für den Track Flare. Je höher das Differential desto größer der mögliche Flare (wenn man das ganze durch ein entsprechendes Bohrlayout auch „aktiviert“) und dadurch eine stärkere Richtungsänderung am Breakpoint.
Aber je größer der Flare desto mehr Länge verliert man. Bälle mit einem hohen Differential können somit ein instabileres Drehverhalten erzeugen. Bälle mit einem niedrigen Differential zeigen auch nicht so deutliche Unterschiede im Laufverhalten, wenn man ein anderes Bohrlayout verwendet. D.h., dass Bälle mit höheren Differential-Werten vielseitiger sind, aber zuweilen auch schwerer zu kontrollieren.

Drill (Bohrmaschine)
Säulen -oder Ständerbohrmaschine, um die Löcher in den Ball zu bohren. Ausgerüstet mit einen Kreuztisch und einer speziellen    Ballaufnahme.

Drill Bits (Bohrer)
Spezielle Bohrer. Sie sind vorne mit Wideastahl besetzt, da das Ballmaterial sehr zäh ist und normale Bohrer sehr schnell verschlissen wären.

Bohrer
Ein spezieller Bohrer für Bowlingbälle