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Die Zukunft des Bowlings?

Auf den vorhergehenden Seiten habe ich versucht die Bälle und Ölungen etwas genauer zu beschreiben. Nur sind diese Dinge ja fortlaufende Entwicklungen. Aber wie spiegelt sich das beim Bowlingspielen wieder?
Die immer ausgefeilteren Techniken bei der Bahnölung, sowie die immer aufwändigeren Konstruktionen bei den Bällen haben die Ergebnisse in schwindelerregende Höhen geschraubt.

Hochinteressant ist dieses Schaubild dazu.

300er Spiele

Die hier gezeigte Entwicklung ist vor allem auf die Ballentwicklung und in noch stärkerem Maße auf die Bahnölungen zurückzuführen.
Das ganze erreicht schon Ausmaße wie die Geldinflation in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Bowling ist auf dem besten Wege seinen Anspruch zu verlieren.
Ein Spitzenspieler sollte sich nicht dadurch definieren, das er einen stark ziehenden Ball auf einer geblockten Bahn Richtung Rinne donnert, und die Ölung dafür sorgt das der Ball die Gasse trifft. Dabei ist es schon fast egal wo man den Ball auflegt oder besser gesagt wie man in "verlegt", Hauptsache genug Drehzahl auf dem Ball, den Rest macht die Ölung plus Ball.

Dadurch kann man zwar Schnitte weit jenseits der 200er Marke schießen, aber was sind die dann wert?
Da fast alle Bowlingspieler nicht in der Lage sind die Bahnverhältnisse zu kontrollieren, weil man´s auch nie gelernt hat, geht man halt den einfacheren Weg und kontrolliert das Ballmaterial. Die Ballhersteller nahmen und nehmen es natürlich dankbar auf, konnten oder können Sie doch an jeden einzelnen Spieler jede Menge Bälle verkaufen. Dass die Bälle durch ihre aggressiven Schalen dann auch nur eine begrenzte Lebensdauer haben, ist dann auch noch ein netter Nebeneffekt. Die Ballhersteller können dann noch mehr Bälle verkaufen.
Es mutet ein bisschen an wie beim Zauberlehrling: "Die Geister die ich rief, die werd ich nun nicht mehr los". Oder wie Peter Knopp einmal meinte: Sie haben uns schon längst gefressen.

Aber wie es halt so ist, man geht bewusst oder unbewusst den Weg der geringsten Widerstandes. Es ist halt viel schöner und einfacher auf einer Bahn zu spielen, auf der optisch hohe Schnitte fallen, als auf einer Bahn wo man mit viel Einsatz und Mühe nur einen 180er Schnitt erreicht statt 200+.
Als die Bundesliga in den 70er gegründet wurde, hatte man einen Ligaschnitt von 178 Pins. Das hat man heute schon manchmal in der A- Klasse. Ob allerdings die A- Klasse Spieler von heute besser sind als die Bundesligaspieler von vor 30 Jahren, soll jeder für sich beantworten.
Nun fordern die einen, man solle die Bahnen schwerer machen, um die Spieler mehr zu fordern, damit sich wirkliches Können durchsetzt. Andere wiederum meinen, man solle es so lassen wie es ist, weil durch leichtere Bahnen die Leute eher zum Spielen kommen.
Bei hohen Ergebnissen spielen die Leute einfach lieber. Leichtere Bahnen bieten eine bessere Show, wenn mehr Strike- ketten fallen. Und auf eine gewisse Show kommt es heute nun mal auch mit an, wenn man Bowling populärer machen will in Konkurrenz zu anderen Freizeit- oder Sportaktivitäten.

Das mag einem gefallen oder nicht.
Beide Sichtweisen sind durchaus stichhaltig. Daher macht es auch keinen Sinn, den Bahnbetreibern den Vorwurf zu machen, sie würden die Bahnen zu einfach machen. Mehr Show ist einfach mehr Geschäft, und von diesem Geschäft wollen oder müssen diese Leute leben.

Die Diskussion über leichte oder schwere Bahnen führt meiner Meinung nach ohnehin am eigentlichen Problem vorbei.

Und das ist der Spieler selber und seine Fähigkeit das spielerische "Können" einzuordnen. Und da hapert´s bei vielen doch noch gewaltig! Frei nach dem Motto: hohes Ergebnis, man hab ich geil gespielt - niedriges Ergebnis, scheiß Bahn und scheiß Ölung. Traurig, aber häufig zu hören. Interessanterweise wird nie über die Bälle gemosert, die hat man sich schließlich auch selbst ausgesucht, aber selber macht man ja keine Fehler. Von den eigenen spielerischen Fähigkeiten mal ganz zu schweigen.

Von Seiten der WTBA wird jetzt allerdings schon gegengesteuert, indem man die Bälle etwas einbremst mit einem niedrigeren Differential (von 0,08 reduziert auf 0,06) und einer Reglementierung der Partikel in der Schale.
Auch die Bahnölungen bei Internationalen Wettbewerben werden anspruchsvoller gestaltet. Die DBU als Nationaler Verband sowie der BSKV als Landesverband hat entsprechend nachgezogen, und lässt die Bahnölung für die Bundesliga und Meisterschaften anspruchsvoller legen.
Wer Bowling ernst nimmt und sich weiter entwickeln will, wird sich vom sogenannten Bumper- Bowling und an seinen hohen Ergebnissen im Training nicht mehr selbst besaufen.

Also, ein Anfang ist gemacht, um Sportbowling anspruchsvoller zu machen und die oben gezeigte Entwicklung zumindest etwas entgegen zu wirken. Auch National hat man, denke ich, die Zeichen der Zeit erkannt und gehandelt. Das ist ein erster Schritt, um nicht eines Tages International völlig unterzugehen, da man anspruchsvolles Bowling nicht mehr kann.

Das abschneiden unserer Bowlingjugend lässt durchaus hoffen. Ob´s klappt wissen wir in einigen Jahren. Andere Länder sind uns hier nämlich schon um einiges voraus.